Aufgestaut

Wir danken Stefan Niggemeier, dass er uns in seinem Verriss aus seiner Sicht bürgerlichen Medien in der FAS vom 26.12. bedacht hat. Er sieht darin unter anderem The European als Debatten-Magazin, das sich “mit erstaunlichem Furor an den Weltverbesserern und Möchtegernweltverbesserern” abarbeitet. Die neuen Konservativen seien, so Niggemeier, von dem Gedanken beseelt, “dass sie recht haben.” Dies unterstellt, dass sie nicht debattenfähig, ewiggestrig und verquer seien. Was ein geballter und vor allem neuer Vorwurf!

Wir finden uns in der Beschreibung Herrn Niggemeiers, die vor allem als Verriss des neuen Focus unter Wolfram Weimer angelegt ist, nicht wieder. In unserem Magazin kamen im nun ausklingenden Jahr aus dem linken Spektrum der Politik unter anderem Gregor Gysi, Sarah Wagenknecht, Jan Korte, Christian Ströbele, Björn Böhning ebenso wie der sich selbst als links beschreibende Soziologe Michael Hartmann zu Wort.

Die großen gesellschaftlichen Debatten werden nur diskursiv verhandelt: die Suche nach dem besten Argument, dem glaubhaftesten Standpunkt, kann langwierig und bisweilen schmerzhaft sein. In pluralen Gesellschaften gibt es aber keine absolute Wahrheit, kein Leitmodell, das nicht unhinterfragt bliebe.

Dies ist die Magazin-Idee von The European. Wir können daher, anders als Herr Niggemeier annimmt, zumindest bei uns keine Debattengleichschaltung in rechte und linke Diskussionsverläufe feststellen.

Nicht umsonst gebe ich gemeinsam mit dem ehemaligen JuSo-Chef Björn Böhning ein Buch über netzpolitische Fragestellung und die Neuerungen einer digitalen Kultur heraus. Zwei Autoren mit einer verschiedenen Grundierung suchen Antworten auf aktuelle, drängende Fragen. Wer ist eigentlich Ihr diskursives Pendant, wenn Sie solche Texte verfassen, Herr Niggemeier?

Herr Niggemeier bleibt in seinem Beitrag den Beleg für seine Behauptung gegenüber The European schuldig. Da hat er wohl kein Zeit mehr zum Recherchieren gehabt. Behauptungsjournalismus wird große renommierte Häuser wie die FAZ nicht aus ihrer Krise führen.

Da hat sich wohl was aufgestaut“, schreibt Herr Niggemeier gleich zu Beginn des Textes, um dem Focus und anderen Medien in seinem Text familienbehagliche Konservativität zu unterstellen. Der Vorwurf fällt nach der Lektüre auf Herrn Niggemeier zurück. Wir sind mit unserer Debattenkultur auf The European auf jeden Fall schon weiter als die FAZ, die Stefan Niggemeier als Alibi-Onliner immer mal wieder gerne und unwidersprochen ins Blatt hebt.

Eine Replik von Chefredakteur Alexander Görlach, im Namen der Redaktion.

  • rofl

    Wenn denn eh alles sooo unzutreffend ist, warum fühlt man
    sich dann angesprochen? Wer sich verteidigt, klagt sich
    an.

  • http://juiced.de/blog/ JUICEDaniel

    @ rofl: Na ja, manchmal wird auch einfach nur Mist verzapft, da darf man dann schon mal ein paar Dinge richtig stellen. Nicht umsonst gibt es auch viele Verleumdungsklagen etc. Weil einfach viel Unwahres behauptet wird – leider.

    Und andersherum sehen viele Menschen eben auch “Schweigen” als “Ja” bzw. “Zustimmung” an.

    Eine Debatte ist doch ein Für und Wider, ein Hin und Her. Genau das findet hier gerade statt. :)

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