Die zwei Gesichter von The European

Eine unserer Lieblingsaufgaben in der Redaktion ist es, die Leserbriefe zu unseren Beiträgen, bzw. Reaktionen in den sozialen Netzwerken zu lesen. Die Wege sind in der Redaktion nicht weit, und so dringt ein spannender Beitrag schnell zu vielen von uns durch. Oft sind wir dabei ernsthaft beeindruckt, in welch epischen Diskussionen die Debatte in den Kommentaren weitergeführt wird. Dazwischen findet sich allerdings auch häufig große Kritik – an den Artikeln und der angeblichen Grundausrichtung von The European. Daher haben wir ein paar kritische Stimmen zusammengetragen und stellen fest: Wäre das Magazin eine Person, dann litte sie stark unter ihrer multiplen Persönlichkeit.

Bakwan schreibt zur Griechenlandkrise:

Ich bin überrascht, einen solch kritischen Aufsatz zur Euro-Krise im sonst so stramm links-liberal ausgerichteten EUROPEAN zu finden. Surprise! Surprise!

Herr Kaliban hingegen kritisiert Alexander Görlachs Verteidigung der Kernenergie:

Sorry, aber das ist doch Schwachsinn.

Die rechtskonservativen Publikationen wie der European müssen sich halt jetzt an der FORM der Aussagen der Gegner hochziehen, weil sie halt jahrelang Seite an Seite mit der Lobby eine unfassbar gefährliche Technologie verteidigt haben.

Die Debatte um die Frauenquote passte unserem Leser Will Tanner nicht:

Ist das Satire oder was soll dieser sozialistische Scheiß auf dieser Plattform?!

Auch an unserem Kolumnisten Alexander Kissler brechen sich die Meinungen. Sebastian schreibt:

wo haben Sie denn den Kissler aufgegabelt. ich liebe ja die Meinungsfreiheit und lese daher auch sein palaver mit hochgenuss. Dass sich allerdings derartig reaktionäre Gedanken hier tummeln verwundert doch. ich dachte The European wäre ein junges Medienportal und keines für greise Katholiken, die die Milleniumswende verpennt haben

Die Debatte Gleichstellung von Homosexuellen ging dann jedoch auch den Katholiken zu weit Theresia Grubenbauer war entrüstet:

Mir wurde gesagt,das dieses Forum hier auf konservativ-christlichen Werten beruht.

Unsere reaktionäre, linksliberale Seite zeigten wir auch beim Aufruf zu geringerem Fleischkonsum. Leser “Antiökofaschist” gab sich zynisch:

Wer sagt das? Linksgrüne WissenschaftlerInnen, die auch an den Klimawandel glauben!?

Zu Debatten gehören per Definition auch Meinungen, die einem nicht passen – und da wir es insofern nie jedem Recht machen können, können wir mit solchen Reaktionen auch leben. Wie unterschiedlich allerdings die Wahrnehmung zu unserer Ausrichtung ist, überrascht uns immer wieder. Daher definieren wir uns intern auch gerne mit erfrischender Pluralität à la The Onion:

When it comes to fiscal issues, I consider myself to be a rabid, foaming-at-the-mouth, right-wing lunatic. But on the social front, I’m a completely out-of-his-mind, wacked-out liberal loon. It’s all about striking a balance, really.

  • bastu

    THE ONION??? Are u fucking kidding me? (Kann sein, dass ich heute mit dem falschen Bein aufgestanden bin und nur den Witz nicht kapiere)

  • Lars Mensel

    Vielleicht solltest du das mit den Beinen beim Aufstehen tatsächlich noch ein zweites Mal versuchen – denn dabei handelt es sich selbstverständlich um eine Satire. In Anlehnung an den Eintrag soll das heißen: Wir fühlen uns aufgrund der Anschuldigungen bzgl. unser angeblichen Grundeinstellung manchmal, als lebten wir den Widerspruch.