Zwei Jahre The European

Foto: Rob J Brooks

Am 30. September 2009 sind wir mit unserem Meinungs- und Debattenmagazin live gegangen. Seitdem ist viel passiert. Am Anfang wurden wir als angebliches Organ der Konservativen beäugt. In meinem ersten Editorial, damals noch als Video, habe ich deshalb darauf verwiesen, dass die gerade frisch gewählte konservative Regierung von einer kinderlosen geschiedenen Protestantin, einem Homosexuellen und einem bayerischen Ehebrecher angeführt wird. Konservativ sein, so schien es zumindest im Hinblick auf die Parteichefs der Regierungsparteien, hatte etwas Verruchtes. Warum dann nicht auch konservativ sein?

Den Namen The European haben wir gewählt, weil uns als Meinungsmagazin naturgemäß das Recht auf freie Meinungsäußerung und daraus abgeleitet die Freiheit der Presse und der Wissenschaft sehr wichtig sind. Dass Europa das Dauerthema des zweiten Jahres von The European werden würde, war am 30. September 2009 noch nicht abzusehen. Der alte Kontinent, dessen Bevölkerungen es geschafft haben, das “Nie wieder!” der Nachkriegsgeneration mit Erasmus-Programm, freien Grenzen und einer gemeinsamen Währung nach vorne zu führen und mit einem positiven Lebensgefühl zu unterlegen, steht heute vor seiner größten Bewährungsprobe: Wollen wir zurück in die Nationalstaatlichkeit fallen oder eine tiefere Integration? Auch auf  The European werden alle diese Optionen diskutiert und debattiert. Eine einfache Antwort gibt es – wie so oft – auch in dieser Frage nicht.

Die Redaktion hat keine Räson, keinen Katalog an Meinungen, den alle unterzeichnen müssten, um hier arbeiten zu dürfen. Dennoch, und das hat sich im Lauf der Zeit gezeigt, sind im Team alle überzeugte Europäer, Verfechter der europäischen Idee. Das macht mir Mut, denn Europa als Projekt ist noch längst nicht am Ende. Das, was man in den vergangenen Jahrzehnten nicht angegangen ist, eine gemeinsame Wirtschaftspolitik beispielsweise, wird durch die Euro-Krise jetzt massiv eingefordert. Dass Deutschland und Frankreich den Stabilitätspakt für den Euro selbst ignoriert haben und dafür nicht bestraft wurden, fordert jetzt Blutzoll. Entweder wir meinen es mit Europa ernst oder wir lassen es bleiben. Pacta sunt servanda – Verträge müssen eingehalten werden, die Herrschaft des Rechts darf keine Worthülse sein.

In den zwei Jahren haben wir es nicht jedem recht machen können: Wir hatten ein Scharmützel mit Michael Naumann von Cicero und einen kleinen Streit mit Focus Online. Kommentare und Kolumnen, die in unserem Magazin veröffentlich werden, ernten Zuspruch und Widerspruch gleichermaßen. Mal ruft jemand aus der FDP an und fühlt sich unfair behandelt, mal wer aus der Union, mal wer aus der SPD. Auch die Kirche hat sich schon gemeldet: Die auf  The European offen gestellte Frage nach der Sinnhaftigkeit eines Pflichtzölibats hat dazu geführt, dass der Vorsitzende der Bischofskonferenz Erzbischof Robert Zollitsch ausrichten ließ, uns nun erst mal kein Interview geben zu wollen.

Gesellschaftliche Debatten wie die zur Präimplantationsdiagnistik haben wir intensiv begleitet. Die Leserbriefe hier waren emotional und kontrovers, gleichzeitig aber auch sehr tiefgründig und faktenreich. Wer solche Leserinnen und Leser hat, der weiß, dass sein Qualitätsprodukt draußen vom Publikum angenommen und verstanden wird.

Das Zweijährige ist daher auch der richtige Moment, allen Leserinnen und Lesern für ihre Treue zu danken. Es ist auch der richtige Moment sich bei allen Kommentatoren und den Kolumnisten zu bedanken. Gerade Ihnen, liebe Autorinnen und Autoren, ist der Erfolg unseres Magazins geschuldet! Besonders die Kolumnisten: Jede Woche einen guten und pointierten Kommentar zu verfassen, ist eine fordernde Aufgabe.

Ganz herzlich möchte ich an dieser Stelle unserer gesamten Redaktionsmannschaft danken. Am 4. Oktober werden wir Ihnen ein Redesign unseres Magazins zeigen, an dem alle mitgearbeitet haben: Unser Art Director Frederic Eyl, unsere IT-Kollegen Benjamin Mateev und Max Schulze, Martin Eiermann und Lars Mensel aus der Redaktion. Wir waren beim Start das innovativste deutsche Medienprodukt, beispielsweise die ersten mit einem großen Medienfenster. Heute haben sich diese Aufmacheroptik einige große Online-Medien angeeignet. Schön, dass wir Nachahmer finden. Auftrag für uns, immer zwei Schritte vor den anderen zu sein. Das Redesign, so meine ich, löst diesen Anspruch ein weiteres Mal ein!

Ein herzlicher Dank geht an meine Mitgründer Lukasz Gadwoski und Kolja Hebenstreit für das gemeinsame Schauen auf den Medienmarkt und das Arbeiten an der Company The European Magazine Publishing GmbH. Ebenso möchte ich unseren Gesellschaftern danken, die durch ihr Invest das Magazin ermöglicht haben. Wir alle haben in den zwei Jahren auf das engste zusammengestanden; auch und gerade besonders am Ende des vergangenen Jahres, wo die Machenschaften eines einzelnen, unseres ehemaligen Geschäftsführers, das Magazin an den Rand des Zusammenbruchs gebracht haben.

Unser aller Einsatz hat sich gelohnt: Wir arbeiten in diesem Jahr gut daran, die Kosten, die wir produzieren, wieder einzunehmen. Das Jahr ist noch nicht zu Ende, weswegen jetzt noch nicht der Moment ist, hier Bilanz zu ziehen. Aber eine Tendenz ist sichtbar und die ist erfreulich. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an unseren Geschäftsführer und Leiter der Unit Consulting Christoph Blumberg für seinen außerordentlichen Einsatz.

Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Freude mit unserem Meinungs- und Debattenmagazin, viele anregende Gedanken spannender und relevanter Autoren. Bleiben Sie uns gewogen und erhalten sich uns als einen Teil Ihrer täglichen Lektüre!

Ihr

Alexander Görlach

  • Christoph Blumberg

    Alex, Du hast hier noch jemanden vergessen. Aber sich selbst beglückwünschen ist ja immer doof. Den Part übernehme ich sehr gerne.

    Ohne Deine Idee zu dem Magazin, ohne Deinen Glauben an das Bedürfnis der Menschen nach Deutung, Erklärung und Einordnung der Nachrichten – Meinung statt Meldung – gäbe es hier nichts zu beglückwünschen. Danke, dass Du gemeinsam mit Lukasz und Kolja diesen Weg gegangen bist! Unbeirrbar, auch in schwierigen Phasen, immer wieder bist Du vorne weg marschiert!

    DANKE – im Namen der Redaktion, der Gesellschafter und des gesamten The European Teams. Auf weitere erfolgreiche Jahre!

  • http://www.ne-na.de gsohn

    Happy Börsday. Auf weiterhin gute Zusammenarbeit :-)

  • http://www.theeuropean.de Alexander Görlach

    Lieber Blumi,

    danke Dir für Deine lieben Zeilen im Namen des Teams!

    Herzlich, auf erfolgreiche weitere Jahre!

    Alex

  • http://blog.sebastianwaters.com Sebastian

    Und ich wiederhole mich hier noch mal: Herzlichen Glückwunsch zum zweiten Geburtstag. Und wie vor einem Jahr zu Alex gesagt: aut vincere aut mori.

    Und an alle Beteiligten: macht so weiter wie bisher!

    Sebastian

  • http://www.tactum.net Peter-J. Bisa

    Herzlichen Glückwunsch an Sie speziell, lieber Dr. Görlach, aber im gleichen Maße auch an das gesamte Team. Die Breite der Themen, die Sie ansprechen, die Fülle an Aspekten sind in der heutigen Medienlandschaft ein besonderes Bonbon.
    Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg und auch das kleine Quantum an Glück, das wir im Leben halt brauchen.
    Ihr

    Peter-J. Bisa