The European springt in den Jungbrunnen

Zwei Jahre nach dem Launch von The European ist es an der Zeit für ein größeres Update. Das Magazin ist aus dem alten Design herausgewachsen und auch die Technik hat sich seit dem Launch im Oktober 2009 deutlich weiterentwickelt. Seit dem Frühjahr haben wir daher fleißig an einem kompletten Redesign des Magazins gebastelt – heute hebt sich der Vorhang.
Unser Gründer und Chefredakteur Alexander Görlach hat die inhaltliche und publizistische Entwicklung von The European bereits Revue passieren lassen. Von mir gibt es an dieser Stelle einen kurzen Überblick über das neue Design und die Überlegungen, die unsere Entwicklungsarbeit motiviert haben. Drei Stichworte dazu: Hierarchisierung, Kontextualisierung, Kuratierung. 

Hierarchisierung

Die sichtbarsten Änderungen gibt es auf der Startseite. Das neue Medienfenster zieht sich über die gesamte Seitenbreite, ähnlich wie es bereits seit Oktober 2010 auf unserer englischen Seite zu sehen ist. Ein Großteil der Leser findet über das Medienfenster zu den Artikeln – das ist nun schöner und einfacher geworden.

Unter dem Medienfenster sind die Inhalte in drei Spalten angeordnet: Links die tagesaktuellen Kolumnen und die Interviews, rechts das neue Format “Stimmen der Anderen” und in der Mitte der Kern des Magazins: Die Debatten. Eine Bedingung dabei war, keine Inhalte ohne Bilder und Teaser zu präsentieren. Wir wollen den Lesern nicht einfach kurze Überschriften-Happen hinwerfen, sondern über die Bildsprache und die redaktionelle Einordnung deutlich machen, warum der jeweilige Beitrag relevant/interessant/meinungsstark ist. Schon auf den ersten Blick muss ersichtlich sein, was nach dem Klick zu erwarten ist.

Warum haben wir die vertikale Feed-Struktur aufgegeben? Zum einen ist das Magazin in den letzten zwei Jahren so stark gewachsen, dass eine vertikale listenförmige Anordnung immer stärker an ihre Grenzen gestoßen ist. Wir wollen die aktuellen Inhalte auf den ersten Blick sichtbar machen und die einzelnen Formate gleichzeitig gegeneinander abgrenzen. Zum anderen ist The European ein Meinungs- und Debattenmagazin, keine Zeitung im Netz. Für Nachrichtenseiten mag eine Feedisierung der Inhalte weiterhin sinnvoll sein. The European lebt allerdings weniger von der Aktualität als vielmehr von der inhaltlichen Tiefe und der Qualität der Texte. Wir glauben, für dieses publizistische Modell mit dem Redesign einen passenden visuellen Rahmen geschaffen zu haben.  Es überrascht uns nicht, dass das Redesign von Facebook in eine ähnliche Richtung geht: Je mehr Informationen sinnvoll und langfristig verwaltet werden müssen, umso wichtiger wird die intelligente Anordnung.

Dazu gehört auch, dass wir die Idee einer Sidebar am rechten Rand weitestgehend aufgegeben haben. “Sidebar” ist im Netz allzu oft synonym mit “zweitrangig”. Wir haben die Struktur der Seite soweit geöffnet, dass alle Inhalte über die komplette Breite der Seite aufgefächert werden können. Durch die Anordnung der Content-Boxen können wir deutlich mehr Einfluss auf die räumliche Anordnung und visuelle Gewichtung der Inhalte nehmen, als es bei einem Feed möglich wäre.

Kontextualisierung

Neben einer neuen Hierarchisierung ist die Kontextualisierung der zweite wichtige Gedankengang hinter dem Facelift. Neben jedem Beitrag sind verwandte Texte (z.B. die Beiträge aus der gleichen Debatte, oder die vorangehenden Kolumnenbeiträge eines Autors) in einer schmaleren Mittelspalte zu finden. Bei Debatten findet sich rechts des Kommentars außerdem ein Factsheet mit faktischen Hintergrundinformationen, die beim Verständnis des Textes und der Einordnung der jeweiligen Meinung helfen. Unter jedem Beitrag generieren sich aus den jeweiligen Tags weitere  Inhalte zu ähnlichen Themen – eine logische Konsequenz aus dem Lesefluss: Wer einen Text zu Ende gelesen hat, findet direkt im Anschluss weitere Beiträge. Und wer sich für einen Autor interessiert, findet seit heute auf der Autorenseite neben einer Übersicht aller Beiträge dieses Autors auf The European immer auch Links auf externe Seiten, auf Publikationen des Autors und – falls vorhanden – auf den jeweiligen Twitter-Account.

“It’s Not Information Overload. It’s Filter Failure”, das predigt Clay Shirky seit Jahren. Die Kontextualisierung von Inhalten ist die journalistische Konsequenz dieses Credos. Context is king. Das gilt übrigens auch für die Startseite: Per Slider lässt sich einfach zwischen den verschiedenen Meinungsbeiträgen einer Debatte hin- und herschalten, um Entwicklungen und Meinungsdifferenzen einfach nachvollziehbar zu machen. Keiner unserer Autoren schreibt in ein Vakuum hinein, sondern argumentiert vor dem Hintergrund einer laufenden politischen oder gesellschaftlichen Debatte, antwortet auf vorherige Argumente und zeigt neue Interpretationslinien auf. Diese Debattendynamik wird mit dem Facelift deutlicher sichtbar.

Zu dieser Dynamik gehört auch die Interaktion der Leser auf der Seite. Jeder Leserbrief kann jetzt einzeln über Facebook und Twitter geteilt werden. Wer sich die Zeit nimmt, seine Gedanken aufzuschreiben sollte auch die Möglichkeit haben, diese mit anderen zu teilen. Und, zu guter Letzt: Unten auf der Seite finden sich die Beiträge, die am meisten gelesen bzw. kommentiert werden.

Kuratierung

Als dritter Motivationsstrang kommt schließlich neben Hierarchisierung und Kontextualizierung noch die kuratierte Aggregation dazu: Mit den “Stimmen der Anderen” gibt es seit heute ein neues Format auf The European. Wir können und wollen nicht jedes relevante Thema publizistisch begleiten – aber wir kennen uns im Netz gut genug aus, um zu jedem Thema lesenswerte Inhalte zu finden. Was bisher als redaktionsinterne “Must-Read-Liste” existierte, wird mit dem Facelift zum Wegweiser ins Meinungsweb. Wir verlinken auf Kommentare, Glossen, Videos, Tweets und Blogbeiträge, die wichtige Debatten vorantreiben und genuinen Mehrwert liefern. Per RSS kann sich jeder diese Updates in den eigenen Feedreader ziehen oder über Twitter im Bilde bleiben. Um einen anderen amerikanischen Vordenker des Online-Journalismus zu paraphrasieren: We do what we do best, and link to the rest.

Weitere Updates werden in den kommenden Wochen folgen, unter anderem um die Seite besser plattformübergreifend darstellen zu können (Stichwort “responsive web design”). Ein herzlicher Dank geht schon heute an die Jungs von Design und IT für die geleistete Arbeit und diverse Nachtschichten. Wir freuen uns über Reaktionen, Lob, Kritik und Fragen hier im Blog, auf Facebook oder per Mail an eiermann@theeuropean.de. Wer immer direkt am Ball bleiben will, kann das ebenfalls über Facebook, RSS oder Twitter tun – oder einfach über die neue Box rechts auf der Startseite unseren Newsletter abonnieren.

  • Tanja

    Gratulation, Jungs! Schick ist’s geworden!

  • Nikita Fahrenholz

    Das neue Design wirkt stimmig und gefällt mir sehr gut! Weiter so!

  • http://www.design.de Designer

    autsch das tut weh, warum habt ihr keine Profis engagiert? Das ist Regional-Liga-Design, wie kann kann man ein gutes Design so schreddern? Schade!

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