Vier Jahre The European

Liebe Leserinnen und Leser,

am 30. September 2009 ist The European gestartet. Viel Wasser ist seitdem die Spree hinabgeflossen. Wir haben derweil einen englischsprachigen Ableger etabliert, ein gedrucktes Magazin an den Kiosk gebracht und auf dutzenden Veranstaltungen ein engmaschiges Netzwerk in der Hauptstadt etabliert.

Ohne Sie, liebe Leser, wäre das natürlich alles nicht möglich gewesen. Grund genug, in die Retrospektive zu gehen und das zu tun, was Journalisten besonders gerne mögen:
Nabelschau.

Von 0 auf 100: The European in Zahlen

Gegründet 2009: Keine Brauerei der Welt würde sich mit dem Vierjährigen schmücken – also rechnen wir unser Alter einfach in Tagen aus und versuchen Sie auf diese Weise zu beeindrucken: 1.461 Tage. Bei Facebook gefällt das mehr als 11.700 Freunden und zu unserer Geburtstagsparty müssten wir wohl über 14.300 Follower von Twitter einladen. Zusammen mit den 1. Mio. Abonnenten bei Google Currents führt dann kein Weg an einer Stehparty vorbei.

Bis Ende 2012 (irgendwann wurden wir des Zählens müde) haben wir mehr als 300 Gespräche veröffentlicht, über 2.500 Kommentatoren aus mehr als 45 Ländern  in nahezu 200 Debatten miteinander streiten lassen und an die 1.500 Kolumnen publiziert. Vom Studenten, über Bundesminister bis hin zum Friedensnobelpreisträger: Wer gute Argumente und frische Blickwinkel liefert, ist dabei.

Das Beste von kurz nach früher bis jetze: Eine Bloglese

Hier, auf diesem Blog, haben wir alle Freunde des Magazins über die jüngsten Entwicklungen zu formulieren. Los ging es mit dem Umzug vom Hackeschen Markt in die nahegelegene Oranienburger Straße, wo wir noch heute werkeln. Kurz darauf haben wir uns über die internationale Seite gefreut und uns bitterlich über den vom „Spiegel“ erzwungenen Abgang einiger Kolumnisten geärgert.

Aufmerksamkeit haben wir auch von der anderen Seite des großen Teichs erfahren – die „New York Times“ war deshalb in der Redaktion. Und der beste Beweis, dass wir Debatte auch jenseits des Internet führen wollen, ist unser textiler Liebesbeweis an den scharfzüngigen Kritiker Henryk M. Broder.  Beim Wort genommen hat uns auch Lars Klingbeil, der nach einer gewonnenen Wette Chefredakteur Alexander Görlach in die Pflicht genommen hat. Dass hier ab und an auch gearbeitet wird, belegt eine besonders schöne Meldung: An The European kommt man im Social Web nicht vorbei. Und auch wer die gedruckte „FAZ“ bezieht, stolpert immer mal wieder über uns.

Vielleicht hat sich auch deshalb Regierungssprecher Steffen Seibert die Zeit für eine Stippvisite genommen. Er ist in guter Gesellschaft: Auch der ehem. US-Botschafter zu Berlin – Philip Murphy – hat  die heiligen Hallen inspiziert und bei dieser Gelegenheit mit uns über die Außenpolitik seines Landes debattiert.

Hängen geblieben: Die Highlights der Redaktion

Sebastian Pfeffer freut sich als Frankfurter über einen Text seines Oberbürgermeisters, Peter Feldmann der über die Main-Metropole folgenden denkwürdigen Satz schrieb: „Hier handeln die Migranten aus den Nachbarländern mit Obst, Derivaten und Heroin, hier verarmen die Kinder der Arbeitslosen und Geringverdiener, hier wird um jeden Quadratmeter Gentrifizierung gerungen, hier investiert die Deutsche Bank“ – so liest sich Heimatliebe. Thore Barfuss ist ein nachdenklicher Kommentar von Juan Enriquez im Gedächtnis geblieben, weil er auf (eine von vielen Weisen) in nur einem Beitrag zeigt, was The European ausmacht. Lars Mensel denkt gerne an Stefan Gärtner zurück, der in einer Kolumne gewohnt-gekonnt scharfzüngig  Abibälle sezierte. Für Julia Korbik lieferte das Gespräch mit dem Sozialpädagogen Jürgen Lemke spannende Einblicke in die Psychologie und Erfahrungswelt von Pädophilen, die uns auch darüber nachdenken lassen, wie sich gesellschaftliche Normen verändern. Alexander Görlach erinnert sich gerne an seine Begegnung mit dem britischen Hofastronom Sir Martin Rees, der ihm als Theologen spannende Einblicke in das Verhältnis von Mensch und Universum lieferte. Florian Guckelsberger trauert  unserem ehem. Kolumnisten David Baum nach.  Wie könnte man jemanden nicht lieben, der solche Sätze aus dem Ärmel schüttelt: „Das real existierende Royal Wedding hat an seinem Vorabend wenig mit dem zu tun, was uns Rolf Seelmann-Eggebert, die alte Hermelinlaus, im Hauptprogramm der ARD so anheimelnd vorgaukelt“?