Wie wir unsere Autorinnen bezahlen

Wir wurden in der jüngeren Vergangenheit öfters gefragt, ob und wie wir unsere Autorinnen honorieren. Zuletzt schrieb der Medienkritiker Stefan Niggemeier in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (hier online veröffentlicht) über „Journalismus-Produktion unter prekären Bedingungen“. Diese, so der Duktus, gefährde die Arbeitsgrundlage professioneller Journalisten. Auch The European kam in diesem Text vor.

Wir möchten dazu unsere Sichtweise schildern. Die Feststellung, dass The European online (zu Print später mehr) kein Geld zahlt, ist richtig. Um nachzuvollziehen, wie es dazu kommt, müssen wir aber etwas weiter ausholen. Zwei Aspekte sind wichtig: die Art der Autoren, die für uns schreiben und die Art der Beiträge, die sie liefern.

  1. Als Debatten-Magazin will The European Stimmen zu Wort kommen lassen. Das sind je nach Themenbereich ganz unterschiedliche Experten: Wissenschaftler, Politiker, Aktivisten, Anwälte oder Firmenchefs – nur in wenigen Fällen aber hauptberufliche Journalisten. Und wenn dann meist solche, die anderswo fest in Lohn und Brot stehen.

  1. Diese Autoren schreiben für The European Meinungsbeiträge. Wir veröffentlichen keine bestellten Stücke wie Reportagen, für die die Autoren beispielsweise reisen müssten. Das in der beruflichen Praxis erworbene Wissen stellen unsere Autoren in den Debatten zur Disposition. Das gehört für diese Autoren oft zum Selbstverständnis ihrer Profession.

Bei The European handelt es sich daher um ein journalistisches Produkt, das von Journalisten konzipiert, organisiert und betreut wird, im Kern aber aus Beiträgen besteht, die nicht von Journalisten stammen.

The European hat es damit in vier Jahren geschafft, sechs feste Redakteurinnen und zwei freie Mitarbeiterinnen zu beschäftigen. Dazu kommen sechs feste Stellen im Verlag. Das sind Jobs in der Medienbranche, die es ohne The European nicht gäbe.

The European ist ein eigenständiges, kleines Medienunternehmen ohne einen großen Verlag oder eine Stiftung im Rücken, die uns finanzieren würden. Wir versuchen, ein neues Format unabhängigen Journalismus in wirtschaftlich schwierigem Umfeld zu führen. Das bedeutet auch, dass bei The European niemand einen Dienstwagen fährt, den wir dadurch finanzierten, dass wir unsere Autorinnen nicht bezahlten. Wir sind froh und dankbar für jeden, der in unserem Debatten-Magazin veröffentlicht.

Wer für The European einen Meinungsbeitrag oder eine Kolumne schreibt, erhält im Gegenzug nicht nichts, sondern Aufmerksamkeit für seine Sichtweise. Ein freier Journalist kann davon freilich nicht leben. Er ist aber eben auch selten der Autor, den The European sucht. Für alle anderen Berufsgruppen, die normalerweise nicht publizieren, und deren Lebensunterhalt nicht daran hängt, ist diese Aufmerksamkeit aber interessant und relevant. Das zeigen uns nach mehr als vier Jahren nicht zuletzt die positiven Rückmeldungen und die hohe Bereitschaft derer, die wir fragen, zu schreiben.

Wer bei uns schreibt, kann seinen Beitrag auch auf seinem eigenen Blog oder seiner Webseite veröffentlichen. Daneben gibt es immer wieder auch Autoren, die ihre Beiträge in anderen Angeboten crossposten. Wir verkaufen keine Beiträge von Autoren weiter und haben dies auch nie getan. Unsere Allgemeinen Lizenzbedingungen räumen uns lediglich das Recht ein, diese Texte beispielsweise in einer PDF-Edition oder in einem Medienangebot, bei dem wir Partner sind (z.B. Der Standard und Arte Future), deutlich als The-European-Absender erkennbar zu veröffentlichen.

Aus wirtschaftlicher Sicht verdienen wir online nicht ansatzweise so viel Geld, dass wir all unsere Autorinnen und Autoren angemessen bezahlen könnten. Zu Beginn von The European haben wir jedem eine kleine Anerkennung von €50,00 gezahlt. Das konnten wir aus den genannten Gründen der Wirtschaftlichkeit nicht weiterführen.

Im Print-Magazin, das vierteljährlich erscheint, erwirtschaften wir hingegen Umsätze durch Anzeigen und den Verkauf des Heftes. Daran beteiligen wir die Autorinnen und Autoren. Sie erhalten nach Abzug unserer festen Kosten zehn Prozent der Erlöse des Kioskverkaufs. Diese Beteiligung lag beispielsweise beim ersten Heft bei €100, im darauffolgenden bei €75.

Wir glauben, dass wir mit unserem Debatten-Magazin einen wichtigen Beitrag in der deutschen Medienlandschaft leisten. Wir sind hier im Verbund mit vielen Kolleginnen und Kollegen, die in ihren Medienhäusern in anderen Formaten einen ebensolchen Beitrag leisten.

Wir glauben an die Wichtigkeit von Debatten, die interdisziplinär und international geführt. Auch die Zukunft von Journalismus ist eine solche Debatte.

  • Alexander Wallasch

    Na gut, halten wir trotzdem fest, das die gratis schreibenden Autoren, vor allem die meist im Wochenturnus schreibenden 10-15 Kolumne-Autoren einen maßgeblichen, wenn nicht sogar den maßgeblichen, Anteil am Bekanntheitsgrad des Internet-Auftrittes haben. Sie sorgen für Kontinuität und für Identifikation mit der Seite. Sie sind die festen Größen im Betrieb. Und sie sind es dann auch, die es durch ihre gratis-Tätigkeit mit ermöglichen, das “sechs feste Redakteurinnen und zwei freie Mitarbeiterinnen” plus “sechs feste Stellen im Verlag” zustande kommen. Das sind die “Jobs in der Medienbranche, die es ohne die Woche für Woche” umsonst schreibenden Kolumnisten “nicht gäbe”.
    Warum sie das tun? Klar, natürlich auch deshalb, weil Ihnen eine gepflegte InternetSeite als Plattform angeboten wird, weil sich die festen Redakteure sehr um die Texte der festen Gratis-Kolumnisten bemühen. Weil Ihnen von Seiten der Redaktion ein Mindestmaß an Respekt entgegengebracht wird, den andere Plattformen erst unter Beweis stellen müssen.