Vom Buchstaben zur Suppe

Buchstabensuppe

Wir sind immer wieder überrascht, was für Reaktionen, Anrufe, Leserbriefe und Stellungnahmen einzelne Beiträge auf „The European“ auslösen. Eine besonders schöne Geschichte nahm passend zur Vorweihnachtszeit diese Woche ihren Lauf:

Alexander Wallasch rezensierte in seiner aktuellen Kolumne das Buch „Du sollst nicht töten“ von Jürgen Todenhöfer. Einen Tag später klingelt das Telefon in der Redaktion: Die Sekretärin des Nahost-Experten ist am Apparat und fragt nach einem Kontakt zu Alexander. Wir verdrahten die beiden miteinander und  Tags darauf schreibt Alexander Wallasch folgendes:

 

Eine Frau Geiger, die seit über 30 Jahren seine Büroperle ist, telefonierte zuerst. Eine unglaublich fröhliche Person. Mütterlich mitreißend umschreibt es am Besten. Ich hatte sofort Bilder aus der alten Bonner Republik vor Augen. Juliane Weber. Aus dem Vorzimmer Helmut Kohls. Und diese Kienzle Weltuhr „Made in Germany“ an der Wand. Todenhöfer selbst absolut aufgeräumt. Auch am Telefon ein Charismatiker. Jemand, der sich Zeit nimmt. Der einem das Gefühl gibt, dass nur dieses Gespräch gerade von Wichtigkeit ist. Und – da meine Kolumne auch kritische Passagen hat – also auch jemand, der mit so etwas souverän umgehen kann.

 

Ich erzählte, dass meine 15-jährige Tochter sein Buch „Du sollst nicht töten“ auch gerade liest und hängengeblieben ist an diesem traurigen Schicksal der Familie aus Homs, wo der Mann gelähmt und der Sohn bei Kampfhandlungen erschossen wurde. Die Frau sitzt da nun mit einer Tochter und zwei kleinen Jungen. Die Tochter sollte, um wenigstens die Söhne ernähren zu können, zwangsverheiratet werden. Das hatten Todenhöfer und sein Sohn Frederic verhindert. Seitdem spenden sie 200 Euro jeden Monat. Die Idee meiner Tochter (und ihrer Freundinnen), zusätzlich vor Weihnachten zu sammeln, gefiel Todenhöfer sehr gut und er sagte zu, gerne zu helfen, die Sache praktikabel zu machen.

 

Es wird also auch im „The European“ demnächst eine Bitte um Geld erscheinen. Von 15-jährigen Mädchen für ein Mädchen, ihre Mutter und Brüder aus Homs. Fürs Überleben: Schön, wer dann so freigiebig ist, wie er kann und gerne helfen will, wo es dringend benötigt wird und verlustfrei den Menschen zugute kommt, die Hilfe dringend benötigen.

 

Spannendes Buch, scharfzüngige Besprechung, karitatives Nachspiel. Manchmal macht es noch mehr Spaß also sonst, als Journalist zu arbeiten.

Foto: Francesca Schellhaas / photocase.com